Profil



Urbane Räume prägen vor dem Hintergrund von Bevölkerungswachstum, demographischem Wandel und Nachhaltigkeitsdebatten seit Jahrzehnten den Lebensalltag von immer mehr Menschen.

Im Kontext der städtebaulichen Debatten um das Leitbild Urbanität durch Dichte weist bereits der Basler Staatsrechtler Salin im Jahr 1960 darauf hin, dass Urbanität nicht als isolierte Raumformation funktionieren kann, sondern die Mitwirkung von Bewohnerinnen und Bewohnern in einem politisch-sozialen Raum voraussetzt. Urbanität ist nicht Merkmal von Städten, sondern eine Disposition ihrer Bewohner.

Das Urban Space Research Network (USRN) geht davon aus, dass Urbanität durch soziale Interaktionen erworben, konstruiert und konstituiert wird. Der urbane Raum ist einerseits durch städtebauliche und architektonische Konzepte räumlich strukturiert sowie ästhetisch gestaltet, andererseits wird er in Interaktionen, insbesondere durch kommunikative Handlungen erzeugt. Sprache ist dabei zentrales Instrumente zur Bildung von sozialer und kultureller Identität in Städten, wie auch von Bewertungen und Wert urbaner Räume.

Gemeinsam ist den Mitgliedern des USRN das Interesse am urbanen Raum bzw. Städten nicht allein als bebauter Fläche, sondern mit Blick auf kommunikatives Handeln als Dimension urbaner Konstruktionsprozesse. Städte sind nicht nur konstruierte Räume mit empirisch nachweisbaren Akteuren, sie funktionieren auch als Kommunikationsareale, in denen urbane Identitäten und Werte dynamisch und in Netzwerken diskursiv ausgehandelt werden.

Städte und Quartiere werden mithin als soziale Wirklichkeiten in fortlaufenden Kommunikationsprozessen und abhängig von den sozialen Dispositionen ihrer Bewohner konstruiert.

Die Forschungsfragen und Methoden des Netzwerkinteresses sind vielfältig und orientieren sich an den interdisziplinären Interessen der Mitglieder des USRN.

Das Forschungsverständnis des USRN möchte vom sprachwissenschaftlichen Erkenntnisinteresse ausgehend andere Fachdisziplinen einbeziehen und ist damit an einer Integration von kommunikationsorientierten und raumorientierten Wissenschaften interessiert. Bezugspunkt ist dabei für die unterschiedlichen Disziplinen das Interesse am Spannungsfeld von Raum als bebauter Objektrelation vs. Raum als Kommunikationskontext und am urbanen Wechselspiel von Statik und Dynamik. Der Zusammenhang von Sprache und Raum in seinen sozialen und kulturellen Dimensionen ist dabei zentral.

Mögliches Ziel ist es, gemeinsame Kriterien für das Gelingen und Misslingen von urbanen Strukturen in sozial- und kulturwissenschaftlichen Kategorien zu formulieren und damit das globale Gesellschaftsmodell des städtischen Wohnens kritisch und konstruktiv sowie historisch und gegenwartsorientiert durch interdisziplinäre Expertise zu reflektieren. Die gesellschaftspolitische Relevanz von urbanen Räumen kann für das Netzwerk mögliche Schnittstellen zu Verwaltung und Stadtplanung eröffnen und hat damit praktische Bedeutung im Kontext gesellschaftlicher Entwicklung.

Das USRN wurde 2009 am Center for the Study of Language and Society der Universität Bern gegründet und ist seit 2010 am Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft unter Einschluss der interdisziplinären Linguistik der Universität Bremen verankert.

Interessenten an der Netzwerkarbeit sind herzlich zur Kontaktaufnahme eingeladen: iwarnke@uni-bremen.de

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